Wolfgang Opitz: „Ohne Titel“, Mischtechnik auf Karton, 2002, 52 x 76 cm
„Zum Beispiel sehe ich als ehemaliger Elektromonteur (1960 – 1964) in der Anwendung von Elektrizität und in der Malerei in der Kunst zwei spezifische, universelle Methoden der Energiegewinnung. […] Die Malerei beruht auf farbphysikalischen und farbchemischen Gesetzmäßigkeiten von Farben, d. h. Pigmenten bei Licht, deren Qualität und Intensität mit ihrer Wellenlänge bestimmbar ist. Aber es ist auch eine Tatsache, dass unsere Sinneswahrnehmung von Farbe von den Nachbarschaftsfarben beeinflusst, relativiert wird.“
Wolfgang Opitz, in: Quellcodegeschicke. 40 Jahre nach Lücke, Basel, 2016
A. R. Penck: „Die mit den Wölfen heulen“, Farbsiebdruck, um 1985, 100 x 70 cm
Die Künstlergruppe Lücke wurde 1972 gegründet von Harald Gallasch, Wolfgang Opitz, Steffen Terk und A. R. Penck.
Hinter dem Pseudonym „A. R. Penck“ steht der Künstler Ralf Winkler, der bereits in den 1960er Jahren in Ausstellungen in der BRD vertreten war.
Er ist bekannt für seinen unverwechselbaren Stil, der von Piktogrammen und Höhlenmalereien inspiriert ist. Jeder Betrachter soll die Bedeutung seiner Werke mithilfe dieser Zeichen, den sogenannten „Standarts“, erschließen können.
Künstlergruppe Lücke: „Gefährdung bei Nacht“, Latex auf Nessel, 1972, 150 x 150 cm
Die vier Künstler Harald Gallasch, Wolfgang Opitz, Steffen Terk und A.R. Penck gründeten 1972 die Künstlergruppe Lücke. Der Name ist ein selbstbewusster und ironischer Bezug auf die bekannte Dresdner Künstlergruppe Brücke.
Auf dem Bild „Gefährdung bei Nacht“ ist zu sehen, wie die Künstler gemeinsam auf einer Bildfläche arbeiteten. Die Leinwand wurde in vier Teile geteilt und jeder malte abwechselnd auf seinem Bereich, bis keiner mehr etwas hinzufügen wollte. Dabei wurde mitunter auch diskutiert, gestritten, gekeilt und sich gegenseitig mit Farbe begossen. Es war eine intensive und kreative Zusammenarbeit.
Am Ende der Lücke, 1976, standen vier individuelle Künstler, die gestärkt mit diesen Erfahrungen ihre eigenen Wege gingen.
Steffen Terk: „Synthesizer (VEEM) Vernichtungs-Erhaltungs-Erneuerungs-Maschine“, Latex auf Nessel, 1976, 133 x 193 cm
Wir bedanken uns herzlich bei allen Gästen für die gelungene Vernissage am 12. September 2025. Besonderer Dank gilt Jakub Tylman (Robert-Schumann-Philharmonie Chemnitz) für die musikalische Untermalung.
Ab jetzt können Sie die Ausstellung gern mit Freunden, Bekannten oder der Familie nach Voranmeldung besuchen. Sie erreichen uns unter 0172 7649723 oder per E-Mail an: marion.ludwig@artig-online.de.
„Fordernde Umarmung“, Acryl auf Leinwand, 2015, 200 x 160 cm
„Schon seit den frühen Anfängen meines bildnerischen Arbeitens und Suchens probiere ich meine Bildstoffe mit umschreibenden Metaphern „auszugraben“.
Als eine Art „Menschersatz“ dient mir bis heute die Vogelfigur, der Vogel.
Es ist nie eine bestimmte Vogelart im ornithologischen Sinn gemeint, es sind eher erfundene Gestalten aus Schnabel, Flügel, Krallen und menschfigürlichen Händen und Füßen.
Vor allem gebrauche ich ihre Sinnführung für einen assoziativen Raum von Bewegungsphantasie.
Es geht in dieser Spur immer um den gleichen Versuch, Gedanken von Freiheit und Loslösung auszudrücken.
Die Vogelmetapher übernimmt das Ironisch-Sarkastische, dramatisiert das Fragliche der Mensch-Figur-Erscheinung.
In nicht singulären Kompositionen dynamisieren sich oft die Formen in Umklammerungen, Umschlingungen. Ein Ringen um Zusammenfinden und Trennen zugleich, in der „Verknotung“ das gewollt Zwingende, aber auch das Wegstrebende … diese Gegensätzlichkeit widerspiegelt das eigentlich Abhängige voneinander.
Die Umarmung ist das zusätzliche Synonym dafür, sie zu fordern, immer wieder zu wollen, heißt, sich in dieser Dialektik von Sehnsucht nach Bindung und Loslösung zurecht finden zu wollen.“
Am 09. Mai 2025, 18:00 Uhr fand die Lesung mit dem Künstler Hans-Hendrik Grimmling statt. Er las aus seiner Autobiografie „Die Umerziehung der Vögel“ und anderen eigenen Texten.
Mit diesen Impressionen möchten wir uns bei allen Gästen herzlich bedanken für Ihr zahlreiches Erscheinen, den angenehmen Abend und die anregenden Gespräche.
Besonderer Dank gilt dem Künstler für die unterhaltsame und bewegende Lesung.
„Aufbruch“, Acryl auf Leinwand, 1994, 250 x 180 cm
„Jede Bildentstehung impliziert die jeweiligen Reflexionen auf soziale Umgebungen als „psychologische Raumvermessungen“ und dementsprechend sind es Niederschreibungen bzw. „Niedermalungen“ von Veränderungen.
Sie verhalten sich wie Zeitnotizen, die spiegelbildlich den Wahrnehmungswandel des Autors selbst beschreiben, ihm sogar als eine Art stetiger Vergegenwärtigung dienen.
Malerei in solch zeitnotierender Zustandsbeschreibung ist wie bloße existenzialistische Selbstbehauptung in einer „Konfrontation – Leben“.
1994 lebte ich nach meiner Übersiedelung schon im achten Jahr in Berlin und fühlte das für mich zu spät „besiedelte“ Neuland immer noch als Westberlin.
Alles Befindliche kreiste wieder und wieder um alte Sehnsüchte nach Loslösung und Entfernung.
Die Selbstinhaftierung in einer „anschlussexperimentellen“ Formen- und Bilderwelt argwöhnte in der „Wiederkehr des Gleichen“ mit der eigenen Wandlungsfähigkeit.
Das Bild „aufbruch“ zeigt zwei Gelbformen, die von ihrer Zusammengehörigkeit „erzählen“ …. ihre Abhängigkeit voneinander ist beider Verhängnis.
Trotzdem soll die starke Farb-bzw. vereinfachte Formfindung Kraft und Dynamik ausstrahlen.“
„Argonaut“, Acryl auf Leinwand, 2021, 140 x 180 cm
„Auf meiner Webseite arbeitet schon seit vielen Jahren der Einleitungstext mit dem Symbolwort „Argonaut“, das ich so auch in meiner Autobiografie „die umerziehung der vögel“ (Mitteldeutscher Verlag, 2008) verwandt habe. Das mit „Argonauten“ überschriebene Kapitel beginnt mit den Sätzen „Der Künstler ist immer ein Argonaut. Er zieht mit seiner Kunst in Imaginationen aus, um etwas heimzuholen. Kunst ist immer ein Wegfahren in eine Distanz zur Gegenwart. Sie lebt von der Hoffnung, dieses Sichwegbewegen bekäme den Sinn eines klareren Blicks auf den Ort des Bleibens. Der Künstler ist unterwegs mit der Behauptung: Ich finde die Wahrheit.“ Diese Gedanken galten für mich über Jahrzehnte wie ein Leitsatz … und so auch werden sie mich wohl weiterhin ins „Weitermachen“ begleiten. Natürlich sind das „Grundstoffe“ für Bildfindungen, in denen diese Metaphern codieren, die durchaus auch direkt jeweilig aktuelle Gegenwart reflektieren. Bedeutet das Sichwegbewegen immer nur die Sehnsucht nach Freiheit und Loslösung? Oder beschreibt es auch Verhängnisse, weil es Not, Zwang und Verlorenheit parallelisiert …? 2005 konnte ich einen umfangreichen Zyklus von 50 mittelgroßen Malereien auf Papier in der Pinakothek in Concepción ausstellen. Ich nannte diese Werkreihe „Argonauten nach Chile“. Ein Großteil der Arbeiten suchen das „Fortkommen“ vom gegebenen Zustand zu beschreiben … von der Umarmung, von der Rettung, vom Gebundensein. Mit dem „argonaut“ von 2021 ist der Vogel als ewige Freiheits- und Sehnsuchtsmetapher gemeint, der in der Weite des Meeres umherfährt, von seinem Floß nicht runter kann … und „eingesperrt in sein Unterwegssein“ seine eigentliche Identität erfährt oder gar erkundet.“
„Flügelrad“, Acryl/Pigment auf Leinwand, 1998, 180 x 250 cm
„In der zweiten Hälfte der neunziger Jahre entstanden Bildzyklen bzw. Bildserien, die sich in einer schlüssigen Kollektion für eine Ausstellung zusammenstellen ließen. Der Plan war, eine Art Mediencollage (Malerei, Film, Musik, Tanz, Literatur) anzubieten, um das Gedenken an 10 Jahre Mauerfall mit Kunst zu feiern und zu würdigen. (Projektidee: M. Mayer-Zydra/H.-H. Grimmling). Pfarrer Ch. Neubert von der Stiftung St. Matthäus war von dem Projekt überzeugt und bot zur Realisierung die schöne Matthäuskirche in Berlin an, gleich neben der Neuen Nationalgalerie. Den Auftakt des riesigen Programms unter dem Titel „Herbstballade“ stellte die Vernissage meiner Ausstellung „Bilder von Deutschland“ dar. Das Konvolut bestand aus 25 großformatigen Malereien, die sich diesem namensgebenden Anspruch des Gesamtprojektes stellen wollten. Neben Bildern wie „bruderkreuz“, „janusweg“, „gezeichneter weg“, „janusleiter“, „endliche verbindung“ u. a. wirkte ebenso mein „flügelrad“ eingebunden in einen Formenkomplex, der es mir über lange Zeit ermöglichte, Gedankenschwere, die sich aus einer „Vergangenheitsbewältigungshysterie“ aufgeladen hatte, malerisch zu „ventilieren“. Ich suchte in Verknappungen, farbsignalhaften Vereinfachungen und „nicht erzählerischer“ Kompositionsstrenge metaphorische Ausdrucksformen, die meine Auseinandersetzungen und Reibungen mit dem „Draußen“ widerspiegeln konnten. „flügelrad“ spielt mit Gedanken, die Sehnsucht nach Bewegung (laufende Beine) und Hoffnung (Flügel) assoziieren, aber auch deren jeweilig ahnbares Verhängnis in einer gleichzeitig erzeugten, lähmenden Kreisläufigkeit.“